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POSTZOSTERISCHE
NEURALGIE
zosterische Neuralgie
Gut zu wissen ........
Die postzosterische Neuralgie wird öfters vereinfacht als zosterische Neuralgie bezeichnet.
Die postzosterische Neuralgie kann nach jeder Her pes zos ter-Erkran kung auftreten. Der Her pes zos ter wird auch als Gürtelrose bezeichnet.
Zunächst zur Krankheit selbst
Die
Gürtelrose
ist eine neurodermale
(=
Nerven und Haut betreffende)
Infektionskrankheit. Der Erreger ist der Her pes-Varizellen-Virus.
Als Tröpfcheninfektion führt der Erstkontakt vorwiegend bei Kindern zu den
bekannten Windpocken, an sich eine harmlose Kinderkrankheit. Leider hat das
Virus die Eigenschaft, über Jahrzehnte in bestimmten Bereichen des
Nerven
systems zu
überleben, ohne daß Krankheitszeichen vorhanden sind. Kommt es aber zu einer
Schwächung des Immunsystems, so wird das Virus
reaktiviert und erreicht über sensible Nervenbahnen die Haut und es entsteht die
Gür telrose.
Die
Her
pes zos
ter-Erkran
kung
befällt überwiegend die Nervensegmente der unteren
Brustwirbelsäule,
seltener den
Gesichtsbereich
(Gesichtsrose) bzw.
Kopfbereich
(Kopfrose) (Zoster ophthalmicus,
Zoster oticus).
Der Name Zos ter kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Gürtel"
entsprechend der gürtelförmigen Hautausbreitung am Körperstamm. Aus diesem Grund
wird die Krankheit auch als
Gür telrose
bezeichnet.
Die Gür telrose beginnt mit einem juckenden Brennschmerz im Bereich der befallenen Nervensegmente und geht mit Sensibilitätsstörungen (= Störungen der Empfindung, des Fühlens) einher. Schon die Berührung der Haut im befallenen Bereich verursacht starke Sch merzen (eine sog. Allodynie). Einige Tage später bilden sich Hauterscheinungen wie rote Flecken, Pusteln und Papeln aus. Diese sog. Effloreszenzen heilen in der Regel nach 2 - 4 Wochen ab und normalerweise verschwindet dann auch der Nervenschmerz wieder.
Behandlung der akuten Zos ter-Erkran kung:
Antivirale (= gegen das Virus gerichtete) Therapie: Aciclovir ist Medikament der Wahl bei der Gür telrose. Es wirkt als Guanosinanalogon auf die Replikation (= Neuentstehung der Erbsubstanz) des Virus, verringert die akuten Schmerz en, die Erythembildung (= flächenhafte Hautrötung) und die Neubildung von Nervenläsionen und läßt die Effloreszenzen (= Hauterscheinungen) schneller abheilen. Darüber hinaus können noch folgende Medikamente empfohlen werde: Brivudin, Famciclovir oder Valaciclovir.
Lokale (= örtliche) Therapie
mit antiviralen (= gegen Viren gerichtete) Substanzen
bei
Gür telrose:
Idoxuridin oder Desoxyuridin in Dimethylsulfoxid (Zostrum®) wird viermal täglich vier Tage lang auf die betroffenen Hautstellen
aufgetragen und führt zu einem schnellen Rückgang der
Sch
merzen (Wassilew
1988).
Alternativ bietet sich Vidarabin Salbe an (zweimal täglich) (Hempel
1993). Antivirale Substanzen beeinflussen
Schmerz en ab dem fünften Tag nach
Auftreten der Zostereffloreszenzen (= typischer Hautausschlag
bei Gür telrose) nicht mehr. Danach ist der Einsatz
antiinflammatorischer (= entzündungshemmender)
Pharmaka angezeigt.
Lokale (= örtliche)
und systemische (= den Gesamtorganismus
betreffende) Therapie mit Steroiden (=
Hormon aus der Nebennierenrinde) bei Gür telrose:
Injektionen mit
Glukokortikosteroiden wie z.B. 25 mg Prednisolon, z.T. mit
Lokalanästhetika
(=
örtliche Betäubungsmittel) z.B. Bupivacain 0,25 %, in die betroffenen Hautareale werden empfohlen (Hempel
1993), wobei sowohl Schmerzreduktion als auch verringertes Auftreten einer
postzosterische n
Neuralgie (Sch
merzen nach Abheilen der Gür telrose) gesehen wurden, allerdings fehlen hierzu
kontrollierte Studien. Das gleiche gilt für epidurale (=
rückenmarknahe) Steroidinjektionen oder Injektionen an den
Trigeminus (= Gesichtsnerv) durch das Foramen ovale. Systemische Therapie mit Corticosteroiden
und ACTH (= Hormon, das im Gehirn gebildet wird)
ist umstritten.
Es werden Fälle beschrieben, bei denen sich eine generalisierte
(= auf den gesamten Körper ausgebreitete) Gür telrose entwickelte. Wassilew
(1988) beobachtete unter der Gabe von 1 mg Methylprednisolon pro kg Körpergewicht bei
rechtzeitigem Therapiebeginn innerhalb von 10 Tagen hervorragende Reduktion bzw.
Sistieren (= Wegbleiben) der akuten
Sch
merzen.
Das Risiko des Auftretens eines disseminierten (= über den Körper
verstreuten)
Her
pes zos
ter wird als relativ gering betrachtet (Loeser
1986). Empfohlen werden Kortikosteroiddosen von 40-60 mg pro Tag in der ersten
Woche mit Ausschleichen der Dosierung in den nächsten 1-2 Wochen (Zenz
1994).
Therapie mit systemischen Analgetika (= im ganzen
Körper wirkenden
Schmerzmittel) und
Co-Analgetika (= Mittel die
Schmerzmittel in ihrer Wirkung unterstützen) bei
Gür telrose:
In der
Literatur werden verschiedene Pharmaka zur Therapie der akuten
Sch
merzen bei Gür telrose genannt. Dabei muß bedacht werden, daß die
Sch
merzen bei
Patienten unter 50 Jahren ohnehin normalerweise spontan sistieren
(= aufhören). Ein Therapieversuch mit Gabapentin oder Pregabalin
ist oft erfolgreich.
Interessant sind Untersuchungen über den Einsatz
von Levodopa (Kernbaum 1981) und Adenosinmonophosphat (Sklar 1985)
bei Gür telrose.
Therapie mit lokalen Therapeutika (= Mittel die örtlich aufgetragen werden): Benedittis (1992) propagiert die lokale Applikation von Acetylsalicylsäure (= Wirkstoff von Aspirin®) in Diethyläther gelöst.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel):
Hierbei
werden in der Literatur Hautinfiltrationen mit Lokalanästhetika, oft mit
Glukokortikoiden gemischt, Blockaden des somatischen und vegetativen (=
unwillkürlichen) Nervensystemes und auch intravenöse (=
in eine Blutader gespritzte) Lokalanästhetikagabe bei entsprechender
Lokalisation beschrieben (Zenz 1994).
Rechtzeitiger Beginn der Behandlung
innerhalb von zwei bis drei Wochen und vor allem auch
Sympathikusblockaden
(= Betäubungen eines Teiles des unwillkürlichen Nervensystems) führen zu
guter Schmerzreduktion und sollen das Auftreten einer postzosterische
n Neuralgie verhindern. Bei Periduralanästhesien (= rückenmarknahe Betäubungen)
können dem
Lokalanästhetikum
(=
örtliche Betäubungsmittel) Corticosteroide
zugemischt werden (Hankemeier 1988).
Postzosterische Neuralgie (zosterische Neuralgie)
Wenn die
Sch
merzen die Hauterscheinungen der Gür telrose überdauern, meistens nach 4-6 Wochen, dann ist die Krankheit in
eine postzosterische Neuralgie übergegangen.
Trotz Einführung der antiviralen (= gegen das Virus
gerichteten) Therapie entwickeln immer noch ca. fünf Prozent aller Patienten mit Gür telrose
im Anschluß diese Neuralgie.
Begünstigend für das Auftreten einer
postzosterische
n
Neuralgie sind Intensität und Ausmaß der akuten
Zostererkrankung,
Diabetes mellitus (= Zuckerkrankheit),
Lokalisation der Gür telrose (häufiger nach
Zos ter
ophthalmicus
(=
Gesichtsrose))
und vor allem das Alter der Patienten.
Der Schmerzcharakter bei einer zosterische n Neuralgie wird von den Patienten uneinheitlich beschrieben: anhaltend tief drückend oder brennend, blitzartig einschießend, stechend und brennend. Fast regelmäßig besteht im Schmerzbereich eine Sensibilitätsstörung (= Störung des körperlichen Empfindens), so in Form einer Hyperpathie (= Sensibilitätsstörung als Überempfindlichkeit gegenüber allen örtlichen Reizen) oder auch Hyperalgesie (= herabgesetzte Schmerzschwelle) bis hin zu einer Allodynie (= Schmerzauslösung durch an sich nicht schmerzhafte Reize, z.B. Kleidung).
Spezielle Schmerztherapie bei postzosterische r Neuralgie:
Beim
Entstehungsmechanismus der zosterische
n
Neuralgie spielen sowohl zentrale (= im Rückenmark)
als auch periphere
Nervenläsionen eine Rolle. Dementsprechend werden
verschiedene Therapiemaßnahmen, die zentral oder/und peripher angreifen,
unterschiedlich erfolgreich sein (Hef
ermann und Leser, 1992).
Die
Therapie der postzosterische
n
Neuralgie ist schwierig und setzt große
Erfahrung voraus. Dabei ist häufig eine gezielte "Polypragmasie"
(= Durchführung mehrerer Maßnahmen gleichzeitig)
erforderlich.
Die Patienten betreiben zum Teil einen
Analgetikamißbrauch
(=
Schmerzmittelmissbrauch) oder
sind gar bereits abhängig, so daß vorrangig eine
Entzugsbehandlung erforderlich
ist. Infolge des chronischen Schmerzes entwickeln sich öfters psychische
Veränderungen, so daß auch
psychologisch / psychotherapeutische Interventionen notwendig werden.
Eine systemische medikamentöse Therapie mit
Analgetika (=
Schmerzmittel) nach dem WHO
(= Weltgesundheitsorganisation)
-Stufenschema sollte zumindest ab Stufe 3 (z.B. Gabe von Morphin) bei der
zosterische
n
Neuralgie erst dann
eingesetzt werden, wenn die Therapie mit Psychopharmaka, Antiepileptika
(= Mittel gegen das Anfallsleiden, u.a. aber auch bei
Sch merzen wirksam) und
nichtmedikamentösen Verfahren, sowie perkutaner
(= durch die Haut hindurch) Antidepressiva (z.B.
Doxepin, Maprotilin) (= Mittel gegen Depression)),
evtl. auch in Kombination mit einem
Neuroleptikum (z.B.
Levomepromazin)
(= Mittel zur psychischen Behandlung, u.a. aber auch gegen die zosterische
Neuralgie wirksam),
verschaffen Patienten mit einer postzosterische
n Neuralgie häufig
Linderung. Wir bevorzugen Amitriptylin in einer Tagesdosis von bis zu 75 mg, da
es in Kombination mit Analgetika, Antiepileptika und oder
Neuroleptika stärker
wirksam ist.
Gegen die
Sch
merzen bei der postzosterische
n Neuralgie wirken am besten sog.
Antiepileptika
(= eigentlich Mittel gegen die Fallsucht, aber auch bei
zosterische Neuralgie hilfreich). Als erste Wahl gelten heute Gabapentin
oder Pregabalin, als 2. Wahl Carbamazepin.
Zur Wirkstoffeinsparung und damit Reduzierung der
Nebenwirkungen kann mit Baclofen
(= ein Mittel zur Muskel
entspannung) kombiniert
werden. Manchmal ist auch die Verordnung von Keltican®
(= ein Mittel, das z.T.
Nervenschädigungen reparieren kann)
hilfreich.
Zur perkutanen (= durch
die Haut hindurch) medikamentösen Therapie
eignet sich Acetylsalicylsäure
(= bekannt als Aspirin®),
wobei allerdings durch ASS eine Ablösung der Hornschicht der Haut und bei Lösung
in Chloroform dessen Leber- und
Nieren
giftigkeit zu beachten ist (Zenz
1994).
Capsaicin, Inhaltsstoff des spanischen Pfeffers, als Creme (0,025-0,075%)
verabreicht, kann ebenfalls schmerzlindernd wirken. Allerdings tolerieren einige
Patienten nicht die mit der Anwendung verbundenen Hautreizungen und
vorübergehende
Schmerz verstärkung.
Auch eine Iontophorese
(= Verabreichung von Wirkstoffen durch die Haut mit Hilfe von Gleichstrom)
mit Vincristin, ist zur Behandlung der postzosterische
n Neuralgie geeignet, wenn diese nicht länger als 6 Monate zurückliegt (Layman
1986).
Es gibt auch ein sog.
Schmerzpflaster, das mit einem
Lokalanästhetikum getränkt ist. Das
postkartengroße, selbstklebende Hydrogelpflaster (Versatis®) enthält Lidocain
und wird auf die sch merzende Stelle geklebt. Bis zu drei Pflaster dürfen
gleichzeitig appliziert werden, auch das Zuschneiden auf eine passende Größe ist
möglich. In den USA ist das Pflaster bereits seit 1999 auf dem Markt, nach
europäischen Zulassungsstudien nun auch in Deutschland, und zwar mit der
Indikation neuropathischer
Schmerz nach
Her
pes zos
ter (Postzosterische
Neuralgie).
In der medizinischen Literatur wird die Ansicht vertreten, daß
die Erfolgsrate der therapeutischen Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei der
postzosterische
n Neuralgie abhängig von dem Zeitpunkt des Beginnes der
Schmerzbehandlung
nach Ausbruch der Gür telrose sei. Nach sechs Wochen (Hempel
1993) beziehungsweise 3 Monate (Zenz 1994) sei die
zosterische Neuralgie in den meisten Fällen durch Nervenblockade
n
(= Nervenbetäubungen)
nicht mehr günstig zu beeinflussen. Auch Loeser (1986) räumt der
therapeutischen Lokalanästhesie bei Patienten mit älterer postzosterische
r Neuralgie kaum noch Nutzen ein.
Dem widersprechen aber zum Teil die
Erfahrungen anderer Autoren. Auch Hef
ermann und Leser (1992) berichten über gute Erfolge mit
Nervenblockaden, sofern diese konsequent
und engmaschig durchgeführt werden.
Folgendes
Vorgehen hat sich bewährt: Nach einer positiven, schmerzlindernden Testblockade
wird eine Serie von Ner venblockaden mit einem lang wirksamen örtlichen Betäubungsmittel (z.B.
Bupivacain in einer Konzentration von 0,25%)
durchgeführt, wobei anzustreben ist, die Folgeblockade immer dann anzusetzen,
wenn die vorhergegangene eben abgeklungen ist. Dazu bieten sich kontinuierliche
Verfahren mittels Kathetertechnik (=
Einpflanzung eines dünnen Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Nerv)
an.
Viele Autoren betonen bei der zosterische n Neuralgie die Effektivität von Blockaden des Sympathikus (= sog. autonomes, selbständiges Nervensystem) (z.B. Auberger 1990, Hempel 1993).
Topische (= eine örtliche, oberflächlich wirkende) Lokalanästhesie der betroffenen Hautareale, zum Beispiel mit Lidocain-Spray oder Lidocain-Prilocain Creme (EMLA®), wird bei der postzosterische n Neuralgie von verschiedenen Autoren eingesetzt (Milligan 1989). Bei abnehmender Wirkung im Behandlungsverlauf ist an eine Tachyphylaxie (= Wirkungsabschwächung bei wiederholter Anwendung) zu denken. Zudem können bei lokaler Anwendung zusammen mit Ner venblockaden toxische (= giftige) Lokalanästhetikakonzentrationen erreicht werden. Auf das Lidocain-Plaster wurde weiter oben schon hingewiesen.
Weitere Therapiemaßnahmen bei der postzosterische n Neuralgie:
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aktualisiert: >04.04.2008</ kusb&
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